

BDL: „Bezieht uns ein!“ |
Grüne Woche: Jugendforum zur Fachkräfte-Knappheit
„Wir brauchen eine echte Willkommenskultur in den ländlichen Räumen. - Nicht nur für ausländische Fachkräfte, sondern für alle, die sich vorstellen können, auf dem Land zu leben.“ Diese klare Botschaft der stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Landjugend (BDL) Kathrin Funk passt noch ins Gepäck der mehr als 100 Besucher/innen des Jugendforums auf der Grünen Woche.
Sie waren am Montag ins Berliner ICC gekommen, um über „Chancen auf dem Land - gute Jobs für gute Leute?“ zu diskutieren. Seither sprechen die Landjugendlichen nicht mehr von Fach- und Führungskräftemangel sondern von Fach- und Führungskräfteknappheit. Aber wichtiger als die Wortwahl war ihnen herauszufinden, was sie selbst für mehr Jobs auf dem Land tun können.
Denn die Zahlen, die Dr. Ralf Brauksiepe, präsentierte, stehen schon länger im Raum. Absehbar sei, so der Parlamentarische Staatssekretär der Bundesarbeitsministerin, ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 6,3 Millionen bis zum Jahr 2025. Allerdings muss das nicht in jedem Fall zu Fachkräfteknappheit führen, schränkte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung ein. Denn „eine Variable bleibt bei der Einschätzung außen vor - das Erwerbsverhalten. Sprich: wie viele Menschen wollen überhaupt arbeiten.“ Seit Jahren sinke die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter, doch die Zahl der Erwerbswilligen steige. Das liege auch daran, dass mehr Frauen arbeiten wollen, die Älteren länger arbeiten… „Da ist noch relativ viel Luft nach oben“, stellt Brenke fest.
Dennoch waren sich alle im Saal einig, dass die Fachkräfteknappheit bereits in einigen Branchen und Gebieten angekommen ist - beispielsweise bei der ärztlichen Versorgung, für die sich der BDL seit längerem einsetzt. Aber selbst hier können die Menschen vor Ort den Unterschied machen. In einem Brandenburger Krankenhaus konnte durch Eigeninitiative ein Anreizsystem geschaffen werden, dass Assistenzärzte aufs Land lockt.
„Die Fachkräfteprobleme, die wir haben, müssen wir im Land selbst lösen“, stellte Brenke klar: durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, durch altern- und altersgerechte Arbeitsplätze, durch Bildungschancen für alle. Die Diskussion machte deutlich, dass in manchen Berufen noch immer zu viel ausgebildet werde und viele Schulabgänger nicht wissen, welche Berufe überhaupt möglich sind. Der Berufsorientierung kommt damit eine maßgebliche Rolle zu, stimmten die Teilnehmer/innen des BDL-Jugendforums überein. Nur passten dazu nicht, so eine Anmerkung aus dem Publikum, die Kürzungen bei der Berufsberatung vor Ort.
Am Ende ist entscheidend, ob Arbeit im Dorf sei, fasste Andreas Pförtner die Diskussion zusammen. Es brauche nun mal gute Jobs für gute Leute. Aber, so der stellvertretende BDL-Vorsitzende, der gemeinsam mit Kathrin Funk das Jugendforum moderierte, die Landjugend könne sich dabei einbringen, könne Triebfeder und Bindeglied für Netzwerke der Arbeitgeber und Verbände im ländlichen Raum sein. „Das können Jugendverbände. Und Ideen haben wir auch“, so Pförtner. Mit Dr. Brauksiepe forderte er die Bundesregierung auf: „Bezieht uns ein!“
Einen institutionalisierten Dialog werde es nicht geben, so der Staatssekretär. Allerdings forderte er die Landjugend auf: „Tragt eure Ideen bei der Arbeitsagentur vor. Und wenn ihr dort auf Granit beißt, kommt zu mir.“
Im würdigen Rahmen des Jugendforums auf der Grünen Woche wurden zehn Landjugendliche mit dem BDL-Bildungszertifikat geehrt. Sie hatten sich in den vergangenen Jahren entsprechend des Gesamtbildungskonzepts des größten Jugendverbandes im ländlichen Raum weitergebildet und ihre erworbenen Kompetenzen beim Abschlusskolloquium gezeigt. „Danke für euer Engagement. Macht weiter so“, lobte die BDL-Bundesvorsitzende Katrin Biebighäuser die jungen Frauen und Männern.
Landjugend auf der Grünen Woche gibt es noch bis zum 29.1.2012 in Halle 3.2 der Messe Berlin.